Großschönau -

Fußballstandort mit Tradition

 

Die heutige Zeit schuldet es gegenüber den vergangenen Generationen die hundertjährige Geschichte des deutschen Fußballs auch die kleinen Vereine in den unterschiedlichen Regionen nicht der Vergessenheit zu überlassen. Auch die Oberlausitz ist in diese Fußballgeschichte eingebunden.In Großschönau ist es der langjährige Fußballaktivist Peter Becker, dessen Wunsch es ist, das Lebenswerk vorangegangener Generationen des einstigen Großschönauer „Sportclub 1928“ der Oberlausitzer Fußballgeschichte zu erhalten. Schon 1998, als Peter Becker in Frankfurt im Römer aus den Händen des damaligen Präsidenten des DFB, Egidius Braun, die Auszeichnung „Ehrenamt des DFB“ erhielt, waren seine Gedanken bei seinem Heimatverein, wo er in 30 Jahren Funktionärstätigkeit sein Ehrenamt vieler vorangegangener Generationen fortgesetzt hatte. Heute möchte er in einer Niederschrift die Entwicklung der Öffentlichkeit übergeben.
Im August 1998 feierte der TSV Großschönau „70 Jahre Fußball in Großschönau“. In der Festveranstaltung mit anwesenden Gründungsmitgliedern des GSK 1928, sowie Aktiven und Funktionären mehrerer Fußballgenerationen wurden Erinnerungen an die Großschönau Fußballgeschichte geweckt. Es war schon beeindruckend, zur Festveranstaltung Gründungsmitglieder des GSK 1928 zu ehren, die über viele Jahrzehnte Fußballgeschichte geschrieben haben, sei es als Spieler oder Funktionäre. Kurt Bürger, Erich Wauer, Paul Engler und Kurt Heinrich gehörten zu den Fußballfanatikern, die dem Großschönauer Fußball, mit Gründen des GSK 1928 wieder einen offiziellen Status verliehen.


Natürlich haben sich Kenner des Fußballsports gefragt: „Gibt es denn wirklich erst seit 1928

Fußball in Großschönau?“. Und diese Frage ist berechtigt, denn in der „Oberlausitzer Presse“ wird

schon Ende des 19. Jahrhundert über Fußball in Großschönau berichtet. Der Name GSK taucht bereits vor dem 1. Weltkrieg in der Presse auf. Vor allem unter dem Sponsor Max Döring spielte der GSK in den 20er Jahren in der Oberlausitz eine bedeutende Rolle. Die Inflation, sowie Korruption und finanzielle Machenschaften innerhalb des Vereins führte zur Pleite des GSK.
Nach einer ziemlich organisationslosen Zeit, in der auch Arbeitssportverein eine Fußballmannschaft aufstellte wurde dann 1928, auch auf Drängen der Zittauer Sportverantwortlichen, der GSK neu gegründet. Erster Vorsitzender des GSK 1928 wurde Kurt Bürger.

Bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges spielte der GSK in der leistungsstarken Kreisklasse der Oberlausitz. Problematisch gestaltete sich in dieser Zeit die Sportplatzsituation. Da der Platz am Jugendheim durch den Besitzer nicht immer bereit gestellt wurde, spielte der GSK auf der Schießwiese und hinter der Waldschenke. Der Ausbau des Platzes hinter der Waldschenke erfolgte in Eigeninitiative der Sportler.
Unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg wurde der Spielbetrieb unter dem Namen FDJ – Sportgemeinschaft „Komet“ auf dem Jugendheimplatz wieder aufgenommen. Initiatoren waren wieder Gründer und Mitglieder des ehemaligen GSK 1928 wie Kurt Bürger, Erich Wauer, Rudolf Watzlawek, Walter Becker und andere.

 

Aus der FDJ – Sportgemeinschaft „Komet“ und der 1951 gegründeten BSG „Textil“ erfolgte schließlich am 09. Januar 1954 die Vereinigung  zur BSG „Fortschritt“ Großschönau. Die Sportplatzanlage am Jugendheim, die zwischenzeitlich auch als Aschengrube zweckentfremdet wurde, entsprach schon lange nicht mehr den Anforderungen. Wegen ihrer abschüssigen Lage – die Höhendifferenz von einem Tor zum anderen betrug 2,70 m – ließ sich der Ball nach geltenden Reglement nicht ordentlich spielen. So beriet am 02. April 1949 die Leitung der FDJ – Sportgemeinschaft mit der Gemeindeverwaltung über die Instandsetzung des Sportplatzes. Der ursprüngliche Gedanke, den Platz zu planieren, kam aber nicht zur Ausführung, so dass am 27. Juli 1949 an die Gemeindeverwaltung der Antrag gestellt wurde, eine neue Sportanlage zu bewilligen. Da hierfür staatliche  Finanzen nur im geringen Umfang zur Verfügung standen, leisteten die Großschönauer nach einem entsprechenden Aufruf 34.000 Stunden freiwillige, unbezahlte Aufbaustunden. So konnte nach Baubeginn im Jahre 1950 am 23. August 1953 mit einem bezirksoffenen Leichtathletiksportfest und Fußballfreundschaftsspielen die „Friedrich – Ludwig – Jahnsportstätte“ am heutigen Standort eingeweiht werden. Noch im Herbst des gleichen Jahres bewilligten Staat und Gemeinde 14.000 DM für den Bau des Umkleidegebäudes mit sanitären Anlagen.

Die damalige Fußballgeneration (Namen wie Czölsch, Rathmann, Härtig, Becker, Schulze, Augustin, Scholze, Stolle, Buttig, Mecir, Pilz u.a. sind wohl heute noch bekannt)lockte eine für die heutige Zeit unvorstellbare Zuschauermenge zu den Punktspielen. 800 bis 1.000 Zuschauer waren keine Seltenheit.

Unvergesslich bleibt das Aufstiegsspiel im Jahre 1955 gegen „Fortschritt“ Seifhennersdorf. Nach einem 0:2 Rückstand schaffte Großschönau mit einer euphorischen Aufholjagd und zwei Freistoßtoren aus 25m Distanz durch Gerhard Scholze, genannt „Breslau“, das schier Unmögliche und siegte noch mit 3:2.

Ende der 50er Jahre kickte mit Herbert Felsmann wohl der beste Spieler der Großschönauer Fußballgeschichte.

 

In den 60er bis 80er Jahren spielte Großschönau größtenteils in der Bezirksklasse. Zwischenzeitlichem Abstieg aus der Bezirksklasse folgte immer wieder der Aufstieg. Nach dem Abstieg aus der Bezirksklasse 1984 dauerte es aber 10 Jahre, ehe Großschönau im zweiten Qualifikationsspiel der Spielsaison 1994/95 gegen den Staffelsieger des einstigen Kreises Löbau, die SG Oberoderwitz, den Aufstieg wieder schaffte.Großschönau leistete in den letzten 50 Jahren immer eine vorbildliche Nachwuchsarbeit. So wurde Ende der 60er Jahre und Anfang der 70er Jahre im A- Juniorenbereich sogar in der Bezirksliga gespielt. Seit den 70er Jahren wurden meist alle Altersklassen im Kinder- und Jugendbereich besetzt.Durch die verstärkte Abwanderung und den Geburtenrückgang ist die Spielerdecke im Nachwuchsbereich dünner geworden. Großschönau spielt zurzeit mit einer E-, D- und C- Junioren- Mannschaft in der Kreisliga, mit einer B- Junioren- Mannschaft in der Bezirksklasse und einer Spielgemeinschaft mit Jonsdorf, in der Großschönau die meisten Spieler stellt, in der A- Junioren Kreisliga.

 

Nach dem Abstieg der 1. Männermannschaft aus der Bezirksklasse im letzten Spieljahr nach

6- jähriger Zugehörigkeit wurde ein Generationswechsel vorgenommen, um langfristig einen Neuaufbau zu verwirklichen. Im Seniorenbereich bildet Großschönau gemeinsam mit Bertsdorf eine Spielgemeinschaft.Mit Beginn des Spielbetriebes nach dem 2. Weltkrieg gab es stets engagierte Sportfreunde, die sich für die Belange des Fußballsports einsetzten.Die führende Rolle des Großschönauer Fußballs in der Oberlausitz in den vergangenen 5 Jahrzehnten verdankt der Verein gut ausgebildeten Übungsleitern. So bewährte Trainer wie Winfried Böhme, Alfred Kaßner und Werner Stritzel führten die 1. Männermannschaft mehrmals in die Bezirksklasse.

Im Nachwuchsbereich konnte sich Großschönau in den letzten 30 Jahren auf Übungsleiter wie Peter Liebisch, Karl Wenzel, Eckhard Löscher, Klaus Schiffner, Frank Bräuer, Werner Fröhlich, Dietmar Florijan, Uwe Simmert, Wolfgang Langer, Uwe Seidel, Joachim Kaßner u.a. verlassen.

 

Großes leisteten die Fußballer bei einer Werterhaltung der Sportstätten. Nach bereits erwähnten Großeinsatz zur Errichtung des Jahnsportplatzes stand die Sektion in den 60er Jahren vor einer erneuten Bewährungsprobe. Aus einem ehemaligen Gewächshaus wurde in freiwilliger Arbeit (ca. 8.500 Stunden) das „Sportcasino“ als Vereinshaus errichtet. Nicht ohne Stolz konnten die Fußballer 1968 ihr selbst geschaffenes Kleinod feierlich einweihen.Mit über 3.000 Arbeitsstunden wurde durch die Sportler 1975 eine neue Wasserleitung verlegt und der Duschraum modernisiert.

 Nicht ohne Wehmut fiel das Sportcasino 1993 der Abrissbirne zum Opfer, denn schließlich war dieses 25 Jahre Heimstatt der Großschönauer Fußballer. Doch der Wehmut folgte bald Freude, denn mit dem Neubau der Turnhalle, die im Oktober 1994 als damals modernste Sportstätte im Kreis eingeweiht wurde, steht den Sportlern ein schmuckes Vereinslokal zur Verfügung.